Das Regiofinale Frankfurt a.M. 2019

Das Regiofinale Frankfurt a.M. 2019

Emergenza Festival 07/19/2019

Pünktlich zum Sommer begrüßt das Bett die Gäste zum Emergenza Festival Regiofinals in Frankfurt am Main.

Mit der freundlichen Unterstützung von Firestone gibt es einen Auslandsgig zu gewinnen  und Sachpreise für alle- schließlich bereichern Elf Bands in individueller Klasse ein genreübergreifend vielseitiges Finale.

Begleitet von einer Fachjury aus der Musikindustrie lauschen 250 Gäste den Klängen unserer Finalisten.

Der Sieger tritt im Westdeutschlandfinale in Köln automatisch gegen die besten Bands im Luxor auf.

 

KAMANKO

Die Kasseler Kamanko sind und bleiben eine stark psychedelisch ausgerichtete indie/alternativ Kapelle mit einem leisen Hang zum progressiven, der sich in der Komposition niedergeschlagen hat. Dieser markiert zb das Gesellenstück der Formation „Swollen Lies“ und entspricht ihrem Anspruch, ihre eigene Vision weiter auszugestalten. Das Ergebnis markiert einen wesentlichen schritt Richtung Unabhängigkeit von Genre Konventionen- mit dem Clou,  dass trotzdem eigentlich keine artfremden Elemente geltend gemacht werden. Die Gitarristen tragen mit ihren breiten Riffs und fantasievollen Leads die tragenden Säulen des Sounds. Mit Sänger Luca an den Keys sind Kamanko breiter denn je aufgestellt und können die gesamte Bandbreite ihrer vorwiegend aus den 70ern kommenden Einflüsse ausreizen. Ihren ausgesprochen individuellen Klampfensound und eine ebensolche Melodieführung sorgen dabei dafür, dass man nach kurzer Hörzeit erkennt, was KAMANKO wirklich ausmacht- und das will auf diesem Finale ungeheuer viel heißen!

 

Die größte Aufgabe, der sich die Jungs von Casual Cult vor jedem Gig stellen mussten ist die Herausforderung, sich zumindest insoweit neu zu erfinden dass man die erst seit kurzen entstandenen Songs nicht nur einfach kopiert. In der Geschichte haben Garage-Rocker diesen Auftrag immer angenommen und mehr als zufriedenstellend gelöst, und das soll sich bei den Jungs aus Frankfurt am Main nicht ändern. Allerdings beschreibt das auch den Unterschied zwischen herausragenden und lediglich guten Songs recht gut, denn hin und wieder tritt die band zu sehr auf die Bremse, gibt sich schnuckelig und verpackt erneut dauerhaft einprägsame Melodien eben nicht in schwungvolle Arrangements, die wieder sofort durch Mark und Bein gehen. „Boston Surfboards“ vertraut vergleichsweise häufig auf semi-balladeskes Midtempo, verfolgt hier und dort einen bedächtigeren Ansatz, ist dem Garage dadurch zwar näher als dem partykompatiblen Punk Rock, hat aber in der Summe nicht so ganz viele Highlights wie die anderen Songs. Letztendlich fehlt eigentlich nur die Tightness, nicht jedoch das überzeugende Songwriting- eine junge Band, aber doch nennenswert!

 

Hollowed sind als nächstes an der Reihe!

Diese spielten sich heavy bis in die Finalrunde und machen dabei eine adrette Figur. Soundmäßig klingt man zunächst ein texanisch (sprich: die Trash Einflüsse sind erkennbar), stattdessen oszilliert man zwischen groove und oldschool. „Sick Society“ bekennt sich schonungslos zu unkitschigen Melodien und zur Verwendung von Solopassagen, welche die Sehnsucht nach Moshpits offenbaren.

Die Songs gehen gut nach Vorne. Die Gitarren spielen frühe-90er Metal Riffs und die Drums sind oftmals „just there“- das passt so. Hollowed laden ein in eine andere Welt und verwenden dazu hypnotisierende Riffs und monotone Drums, die einem im Ohr hängen bleiben. Wer die erhabene und epische Seite des Groove Metal liebt, der kann hier nichts falsch machen. Wunderschön, wie Hollowed beim track „I Lived“ einen Spannungsbogen und eine ureigene entrückte Atmosphäre aufbauen. Das abschließende „Fireproof“ hat widerum die ansprechenden Midtempro-Drums zu bieten, die einen träumen lassen und einen in Kombination mit den passenden Vocals in die Jahre zurückkehren lassen, wo noch Pantera und Dimebag Darrell den Ton angaben. Hollowed ist eine Band für Nostalgiker, die aus den Werten der Vergangenheit etwas Bleibendes in der Zukunft schaffen wollen!

 

Treibender Galopp am Schlagzeug, brezelnde Gitarrenriffs und Pop sind der Einstieg zur nächsten band, LEYF.

Die Band bringt lyrisch sowie musikalisch auf den Punkt, worum es bei den Mannheimern geht- gefühlvolle Texte treffen auf schönen, klaren Gesang und stabiles Songwriting. Dynamisch im Instrumentalem schiebt sich das Trio durch vier Songs, die alle ausnahmslos radiotauglich sind. Die Singalong-Refrains lassen nicht nur Tanzbeine schwingen, sondern auch die Kehlen glühen. LEYF lassen aber nicht nur jede Pinata bei der Gitarrensause taumeln- Es lohnt sich, den Texten Gehör zu schenken. Denn auch vermeintlich kitschige Kost kann man in fluffige Gitarrenriffs packen und sich dazu treiben lassen. LEYF bleiben in Professionalität und Skills ein Ass und sind, so wie in den letzten Runden wieder Juryfavorit!

 

Arch Enemy haben es vorgemacht - doch shouterinnen im Metal sind immer noch eher rar. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, und so bringen Nordic Throne eine shoutende Dame an den Start. Anders als viele Bands legen Nordic Throne einige schippen mehr auf den Ofen. Eine ziemliche Menge, den die Bad Vilbeler drücken ganz schön aufs Gaspedal, ohne die Melodien ganz außen vor zu lassen. Noch im opener wird schnell klar, dass hier zum reinsten Vergnügen gethrasht wird, was die Instrumente hergeben. Der Sound ist nicht glatt, die Bad Vilbeler haben sich während ihrer Gig historie sicher das eine oder das andere Gute für sich abgelegt. Textlich ist man sozialkritisch und der Ungerechtigkeiten bewusst. Übergreifend ist ein Mittelalter-Setting: der Winter ist da, und es bildet sich der Appetit nach Abenteuern, zu dem sich Nordic Throne zählen. Man erkennt der Band ihren Spaß am spiel“ Winter is not coming…it’s already there!“

 

Nach einer kurzen Umbaupause melden sich CERTAIN SKIES zu wo Wort. Positiv fällt auf, dass die Frankfurter ihren Ansatz gestrafft und akzentuiert über die Bühne bringen. Die Mitglieder führen beste Killswitch Engage-Riffs in Feld, verstehen sich aber darauf, direkte Vorstöße im Rock oder bissige Breakdown-Attacken zu reiten. Die klare, toughe Stimme ist zudem mit Solos und Singalong-Parts durchsetzt. Gelegentlich wird es sogar melancholisch oder atmosphärisch, bevor die nächste Angriffswelle anrollt und die Aggressivität wieder anzieht. Das Quartett versteht es, seine Show mit rigorosen, soliden Tracks zu füllen. Trotz der soliden Performance gelingt es den Jungs nicht, die einzelnen Songs klar voneinander abzugrenzen. Im Songwriting wirken die Frankfurter ein Stück weit limitiert und festgefahren. Zumindest ist aber von einem kompakten Gesamteindruck zu sprechen, das aufzeigt, wo die Prioritäten der Musiker liegen und wie sie wahrgenommen werden wollen.

 

Die Deutschrock-Welle schlägt weiter hohe Wogen! Die Band PARAGRAPH 20 aus Frankenberg sind dran. Am Anfang steht ein bombastisches, ja episches Intro. Und dies ist schon so gut gemacht, dass es wirklich Lust auf das Folgende macht. Und was folgt? Nun ja: Deutschrock, die röhrende Stimme von Mathias Richter über sägenden Gitarren (die echt ins Ohr gehen!). Viel Rebellentum und Pathos und Bombast, aber einfach eine Spur zu clean. So weit, so bekannt. Deutschrock vom eigenem Label „Richter Records“ die dieses Rezept in vielfacher Variation im Programm haben. Und Trotzdem: Es funktioniert. Es macht spaß. Egal ob die Texte schon so oft und auch besser von anderen Bands gehört wurden, egal ob die Jungs vom Sound zu glattgebügelt rüber kommen, die Melodien sind eingängig, die Stimme von Sänger Daniel Zettl klingt sympathisch rau und erdig. Man kann sagen: PARAGRAPH 20 geben sich alle Mühe, keine 08/15-Deutschrock-Band zu sein! Die Songs sind gut, reißen mit. Generell legt die Show in der zweiten Hälfte richtig zu, wird vielseitiger, runder. Und auch obligatorische Balladen werden von den mitgereisten Fans geungen, ohne im Kitschdebakel zu ertrinken. Hervorzuheben ist dabei, dass PARAGRAPH 20 ausufernden stolz auf Vergangenheit und Heimat oder ähnliche kritische Aussagen vermeiden, der freie, denkende Mensch ist ihr Idealbild. PARAGRAPH 20 ist eine gute Deutschrock-Band. Nicht mehr. Aber auch definitiv nicht weniger.

 

Seit ihrer Gründung sind PAST REFLECTION schon gut rumgekommen. So gewannen die Frankfurter den Schwabacher Rockwettbewerb 2018 und konnten sich bei kleineren Gigs im Inland sowie dieses Jahr in Polen austoben. Nun spielen sie ihr drittes Konzert auf dem EMERGENZA FESTIVAL 2019, auf dem das Quintett einmal mehr seinen eigenen Stilmix irgendwo zwischen Nu Metal, Rap, Elektro und Hardcore präsentiert. Ein dutzend zumeist wilder Tracks brettern PAST REFLECTION heraus, in denen alle musikalisch packend daherkommen. Das Anfangs ruhige Lied „Silence And Suffer“ wirkt hingegen gezwungen- an getrageneren Melodien sollten die Herren noch etwas arbeiten. Dafür liefern PAST REFLECTION mit „Break Me“ ein richtig griffiges Nu-Metal-Schmankerl ab! Das Zusammenspiel mag live nicht den Zenit dieser Band darstellen, ist aber ein wirklich starkes Brett, welches live über weite strecken einfach rockt!

 

Derzeit müssen THE DRAGONFLIES eine Achterbahnfahrt der Gefühle erleben: Seit ihrer Gründung 2013 wird in Aussicht gestellt, langfristig als eine der originellsten Bands Frankfurts zu gelten, derweil die Jury das Schaffen der Gruppe in höchsten tönen loben. Sensationelle Auftritte auf den Emergenza Festival 2019 Vorrunden versichern den Frankfurter_innen, dass sie für höhere Weihen bestimmt sind. Wie also um ein praktisch ungesagtes Versprechen zu bestätigen, legt sich das Quintett gehörig ins Zeug, damit niemand auf den Gedanken kommt, es sei doch eine Eintagsfliege. Machten die Jungmusiker_innen zu Beginn noch eine Tugend aus ihrer Not, statt dem Schlagzeug eine Cajon einzusetzen, spielen sie diesen unvorhergesehenen Trumpf zur Gänze aus. Thea Steiner singt um ihr Leben und performt zugleich so, als würde sie sonst hinter der Schießbude hocken. Darum dreht sich spätestens jetzt wirklich alles um sie, ohne dass Gitarrist Marius Wunderlich und Anais von Manteuffel an der Ukulele zu reinen Statisten degradiert würden. Bela Hill am Cajon und Bassist Corin Müller sind dabei fulminante Rhythmuspartner, deren Reife und scharfe Spieltechnik das Gesamtkonzept und die Komposition widerspiegelt. THE DRAGONFLIES verwirbeln sehr unterschiedliche Einflüsse ohne am Ende sich in einer Schublade zu stecken und unterstreichen in diesem Finale, dass Sie mit einem eigenständigen Charakter gekommen sind, um zu überzeugen.

 

In zwei Vorrunden hat sich FACKGOINON zum Favoriten des diesjährigen Emergenza Festival 2019 etabliert, und das merkt man sowohl qualitativ wie auch quantitativ. So kommt der Rapper aus Steglitz mit DJ BIFF DADDY sowie einem Back-Up auf die Bühne. Zudem präsentiert FACKGOINON ein stimmiges Gesamtkonzept, das auch die optische Umsetzung durch Fotos und Artworks mit einschließt, die sich sehr stimmungs- und geschmackvoll an die Ästhetik der heutigen Zeit anlehnt. Der Opener „Alles Safe“ und „Know How“ schlagen ganz neue Wege ein, indem man tempo- und aggressionstechnisch nach oben schaltet. Mit einer Rockband hat die vorliegende Show wenig bis nichts zu tun - stattdessen gibt es stimmungsvoll-düstere Beats, die der Zielvorgabe, der in den Titeln ausgerufenen brachialitäten, in wirklich jedem Stück gerecht wird. Bei „Fack Ma Nicht Ab“ wird im Gegensatz zu anderen Tracks, vor allem auf aggressiven Gesang und nur teils Rap gesetzt. Nahezu jeder Song könnte sich perfekt in aktuellen Spotify Playlists aufstellen! Der reine Metal-Hörer ist hier an der falschen Adresse, aber wer auch gern mal sein Dasein zu Trap anzweifelt, der bekommt hier die perfekten Soundtracks sich so richtig genussvoll an zu heizen!

 

Zum Abschluss des Abends geben sich END OF SENSE die Ehre, ein wirklich außergewöhnliches Finale zu beenden.

Die Frankfurter schöpfen tief aus der Symphonie des Progressive. Sie verbinden dabei hervorragend die Rauheit des Metal mit melodischen Ideen, die häufig auf dem Keyboard ausgeführt werden. Bereits beim ersten Höreindruck wird klar, dass ein vernünftiges Label mit ordentlicher Promotion das einzige ist, was dieser außergewöhnlichen Band gerecht wäre. Geboten wird eine furiose Mischung aus eingängigen, progressiven, aber durchweg spannungsgeladenen und experimentieren Arrangements, die sich auf die gesamte Spielzeit ausdehnen. Die realisierte Qualität beschränkt sich dabei keineswegs auf bloße handwerkliche Expertise, sondern zeigt auch eine gepfefferte Portion Talent und ein Gespür für lebendige Dynamik. Dazu trägt vor allem der Gesang bei, der gehaltvoll und tonsicher beste Assoziationen an Dream Theater und Konsortien weckt, allerdings auch vor intensiven Shouts und Growls nicht zurückschreckt. In Kombination mit der Tool-esquen Musik wird dafür gesorgt, dass keinerlei Wünsche hinsichtlich Eigenständigkeit und treibender, vielseitiger Hypnotika offenbleiben. END OF SENSE sprechen ein genreübergreifendes Publikum an, weshalb eine allgemeine Empfehlung auszusprechen ist!

 

Die Siegerehrung:

FACKGOINON wird beim Westdeutschlandfinale in Köln für den Einzug in das Weltfinale auf dem Taubertal Festival 2019 ringen! Herzlichen Glückwunsch!

THE DRAGONFLIES freuen sich über ein Auslandsgig mit freundlicher Unterstützung von Firestone!

HOLLOWED belegen den dritten Platz und bekommen einen Gutschein von MonsterMerch!

(weitere Platzierungen hier unten zu finden)

 

Platz 1 FACKGOINON

Platz 2 THE DRAGONFLIES

Platz 3 HOLLOWED

Platz 4 KAMANKO

Platz 5 NORDIC THRONE

Platz 6 PARAGRAPH 20

Platz 7 CERTAIN SKIES

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